Den Glauben trotz aller Widerstände in der heutigen Zeit zu leben, darum ging es im Kinderseminar und im Erwachsenenseminar, zu dem die Charismatische Erneuerung Bamberg zum Jahresauftakt ins Diözesanhaus Vierzehnheiligen eingeladen hatte. Im Kinderseminar begaben sich die knapp 20 Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Betreuerinnen auf die Spuren von Simon Petrus.
Als einfacher Fischer von Jesus zum Fels der Kirche berufen, ging er schließlich sogar für seinen Glauben ins Gefängnis. Ein spannendes Erlebnis war auch die Nachtwanderung mit Lagerfeuer. Nicht zuletzt brachten die Mitarbeiterinnen den Kindern anschaulich und praxisbezogen Themen wie Sünde, Heiliger Geist und Segnen nahe. Ganz vielen quicklebendigen Fischen begegneten die Kinder im Aquarium „Sea-Star“ in Coburg, einem Höhepunkt des Programms.
Die 50 Teilnehmer des Seminars für Erwachsene ermutigte Hauptreferent Bruce Clewett gemäß dem Untertitel, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen. Der gebürtige Kalifornier arbeitet seit knapp 40 Jahren bei „Jugend mit einer Mission“ (JMEM), einer überkonfessionellen weltweiten Laienbewegung, und gehört zum Leitungsteam von JMEM Österreich.
Als biblisches Beispiel zum Seminarthema betrachtete Clewett den Prophet Daniel und seine drei Freunde. Sie hielten an Gott fest, auch im baybylonischen Exil, wo das Judentum nicht Staatsreligion war. „Es hat etwas gekostet, Gott zu dienen“, betonte Clewett. Die schwierigen Umstände hätten aber beim Volk Israel Läuterung und neues Gottvertrauen bewirkt. So sei es schließlich eine fruchtbare Zeit gewesen, die große Auswirkungen auf die babylonische Kultur gehabt habe. Etwa, dass der babylonische König Nebukadnezar oder auch der spätere Meder-König Darius sich zum Gott Daniels bekannten. Clewett sprach daher vom „Geschenk der Gefangenschaft“.
Die Rahmenbedingungen in der Gegenwart seien mit denen von damals vergleichbar. Das Christentum sei zu einer Randerscheinung des öffentlichen Lebens geworden, sagte Clewett, praktizierende Christen von der Mehrheit zu einer Minderheit. Gleichgültigkeit und Anpassung seien die größten Probleme. Christen heute könnten von Daniel lernen: „Daniels Glaube war nicht von Umständen abhängig“. Und er sei aufgefallen. Seinem Beispiel folgend ermunterte Clewett zu einem von Gott veränderten Lebensstil und geistlicher Ausgeglichenheit, die von Eifer statt Passivität bestimmt ist.
Diese relativ feste Kost seiner Lehreinheiten würzte Bruce Clewett mit viel Humor und stellte immer wieder zeugnishaft den Bezug zu seinem eigenen Leben her. Zudem erwies er sich als Kenner der Charismatischen Bewegung, sprach über die begeisterten Anfänge vor über 40 Jahren, aber auch über die Müdigkeit, die sich inzwischen eingestellt hat. Er rief dazu auf, nicht wehmütig zurückzuschauen. Statt der Begeisterung von damals gelte es zu einer reiferen Motivation für das Glaubensleben zu finden: eine leidenschaftliche Liebe zum himmlischen Vater und für die Menschen – ganz so, wie Jesus es vorgelebt habe, den die Not der Menschen zum Handeln bewegt hatte.
Impulse zum Thema Eucharistie gab Prof. Dr. Joachim Kügler, Inhaber des Lehrstuhls für Neutestamentliche Wissenschaften am Institut für Katholische Theologie der Universität Bamberg. Er sprach sich dafür aus, beim Mahlsakrament den Aspekt des Essens wieder mehr zu berücksichtigen. Statt der Konzentration auf die Gaben gelte es das gemeinschaftliche Geschehen wiederzuentdecken, an die Stelle der Sündenangst müsse ein vernünftiges Sündenbewusstsein treten. Ziel sei es, dass sich die Kirche als Leib Christi verstehe.
Die Feier der Eucharistie war ein fester Programmpunkt jedes Seminartages. Neben Prof. Kügler waren dazu Regionaldekan Pfr. Georg Holzschuh (Forchheim) und Pfr. Robert Mayr, Bischöflicher Beauftragter für die Neuen Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen, zu Gast. Für den Abschlussgottesdienst hatten die Verantwortlichen der CE Bamberg einmal mehr Pater Benedikt Grimm, Guardian des Franziskanerklosters Vierzehnheiligen, gewinnen können.
Darüber hinaus bot das Seminar weitere Möglichkeiten, Gott zu begegnen, vor allem gemeinschaftlich im Lobpreis und ganz persönlich im eigens kreativ gestalteten Raum der Stille. Jeweils am Nachmittag gab es Workshops, sei es zu geistlichen Themen wie Grundlagen des Glaubens, Sprachengebet, Umgang mit Finanzen nach biblischen Prinzipien oder auch ein Bastelangebot: Kinder und Erwachsene fertigten gemeinsam farbenfrohe Fisch-Mobiles.