Vor zehn Jahren wurde die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg unterzeichnet und im Anschluss daran haben sich christliche Gemeinschaften und Erneuerungsbewegungen auf einen gemeinsamen Weg begeben. 2001 gab es das große Treffen in München, dann 2004 und 2007 zwei Europäische Treffen in Stuttgart. 1.400 Menschen aus 85 verschiedenen Gemeinschaften, Bewegungen und Konfessionen kamen nun am 7. November im Würzburger Dom zusammen.
Inzwischen sind durch die Vorbereitungstreffen zu den Veranstaltungen und gegenseitige Besuche zahlreiche freundschaftliche Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher christlicher Konfessionen entstanden, viele Barrieren sind weg geschmolzen und Gräben wurden überwunden. Diese Erfahrungen zu teilen und einzubringen war die Intension für das Würzburger Treffen.
Im Würzburger Dom wurde das Miteinander durch eine beeindruckende Dekoration dargestellt. Verschieden große farbige Würfel, die die einzelnen Gemeinschaften darstellen sollten, waren so drapiert, dass der Eindruck entstand, sie bewegen sich auf das Kruzifix im Gewölbe des Domes zu.
Nach intensivem Lobpreis und Gebet begrüßte uns der Bischof von Würzburg Dr. Friedhelm Hofmann. Ganz besonders hat mich seine Überzeugung angesprochen: “Die Einheit der Christen kann über die Erneuerungsbewegungen möglich werden.“
Der italienische Professor Dr. Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant´Egidio hielt eine beeindruckende Rede, aus der ich einiges zitieren will:
„Was bei Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich. Das sehen wir an dem Fall der Berliner Mauer. Niemand konnte sich vorstellen, dass so etwas ohne Blutvergießen geschehen könnte. Gottes Geist ergriff Christen und Nichtchristen und die Mauer fiel. Genau so fielen in den letzten Jahren die Mauern zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Erneuerungsbewegungen und es wurde deutlich: Einheit ist möglich.“
Es geht nicht um Einheit durch Auflösung, sondern um Einheit durch Wertschätzung nicht nur der Person, sondern auch der Schätze des Anderen. Es entsteht eine Kultur des Miteinanders im Zusammenarbeiten, im Zusammenleben und Zusammenfeiern.
Wir in Europa dürfen das Erbe und den Segen des Friedens nicht vergeuden durch Engherzigkeit und nationalistische Leidenschaften, sondern haben die Aufgabe den Armen zu helfen. Viele Europäer haben Angst, wie die Jünger Jesu beim Sturm im Boot und vergessen den Herrn angesichts der Probleme im eigenen Land und in den anderen Ländern, aus denen Emigranten zu uns strömen. Angst macht aggressiv und abweisend.
Jesus sagt: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr keinen Glauben? Jesus hilft uns im Sturm! Wir dürfen nicht nur zufrieden sein mit dem was ist und war, denn wir sind zur Einheit berufen (Joh 17,21). In diesem Sinn pilgerten Menschen aus allen Nationen und Glaubensgemeinschaften nach Auschwitz. Dabei zeigte sich, dass Vergebung eine Geschwisterlichkeit ermöglicht, die Energien der Liebe freisetzt.
Walter Heidenreich, der Leiter der freien Christengemeinde FCJG in Lüdenscheid erzählte im Rahmen von Statements zu „Zeichen der Hoffnung“, dass er von „Freikirchlern“ nach Südamerika eingeladen worden war, wo ein großer Graben zwischen Freikirchen und Katholiken bestand. Schon beim Empfang am Flughafen staunten die Personen aus den Freikirchen wie freundlich die katholischen Fokular-Leute sind, die auch zum Empfang gekommen waren. Viele Vorurteile schmolzen dadurch weg.
In neun verschiedenen Foren z. B. über „Wir sagen ja zum Leben“ berichteten Menschen aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften von ihren Erfahrungen.
Im Forum „Wir sagen Ja zu Ehe und Familie“ berichteten Waltraud und Heinz Bauer und der Geistliche Beirat Heinz Schreckenberg über Ihre Erfahrungen mit Ehe und ihrer Gemeinschaft „Equipe Notre Dame“.
Ein junges Ehepaar aus einer Freikirche, das von ihren Ehe-Erfahrungen erzählte, sagte „ Eine Ehe lebt von vielen Auferstehungen.“
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde eine Erklärung verlesen und unter großem Beifall angenommen wurde. Wir versprachen: „Auf Dein Wort hin (Joh 17,21) gehen wir miteinander weiter!“ Miteinander engagieren wir uns für eine Welt und ein Europa, wo jede Person angenommen und mit Wertschätzung und Respekt behandelt wird. Wir beginnen dort, wo wir leben: in unserer Nachbarschaft, in unserer Stadt, in unserem Land. Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass die Einheit unter den Christen wächst.